Petra und Uwe Tiemann

Bürgerinitiative Oldenborstel

Herrn

Peter Altmeier

Bundesminister Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
Köthener Straße 2-3
10963 Berlin

Gleichlautend an:

Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
Postfach 12 06 29
53048 Bonn

Oldenborstel, den 24. Juli 2013

 

Sehr geehrter Herr Minister Altmeier,

während Ihres Besuches am 13. Juni 2013 im Tivoli in Heide äußerten Sie Ihre Verwunderung über den Unmut der Bürger betreffend Windkraftanlagen-Ausbau in Schleswig-Holstein. Sie waren der Meinung, dass die Menschen – insbesondere in Dithmarschen – vollständig hinter dem Ausbau der Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen stünden.

Das wiederum wundert uns, denn in Schleswig-Holstein, auch speziell in Dithmarschen, kämpfen Betroffene schon seit Jahren gegen den ausufernden Ausbau der Windkraftanlagen. Jeden ersten Montag im Monat treffen sich die „Leidtragenden“ in Oldenwöhrden in Dithmarschen, um über ihre Sorgen und Nöte betreffend WKA in ihrem Umfeld zu berichten, und es kommen immer mehr und immer neue Betroffene hinzu. Die Themen kreisen nicht nur um die exorbitant steigenden Strompreise, sondern auch immer wieder um Lug und Betrug in den Dörfern im Zusammenhang mit geplanten Windkraftanlagen, um Korruption, Gesundheitsprobleme durch Lärmbelästigung, Schlafstörungen, Werteverfall ihrer Immobilien, Zerrissenheit der Dorfgemeinschaft, die z.T. so weit geht, dass z.B. eine Kindergärtnerin in einer Dorfgemeinde ihren Arbeitsplatz verlor, weil ihr Mann sich gegen Windkraft engagierte. Das bringt zusätzliche psychische Belastungen mit sich. Ein anderer Betroffener berichtete, dass sich das Kreisen der WKA-Rotoren in seinem Wohnzimmerschrank spiegelt und er selbst am Tag mit geschlossenen Gardinen im Wohnzimmer sitzt. Wieder ein anderer musste Jahre warten, bis er seine Immobilie in der Nähe von WKA endlich verkaufen konnte, natürlich weit unter Wert.

Wir engagieren uns seit 4 Jahren gegen diese Machenschaften, gegen Korruption und Heimlichtuereien im Zusammenhang mit Ausweisungen von Windeignungs-flächen. Es gibt kaum ein Dorf in Schleswig-Holstein, in dem ein „Windpark“ geplant ist, das nicht zerstritten ist; was damit zusammenhängt, dass Land-
verpächter und Windbetreiberfirmen versuchen, ihre Vorhaben geheim zu halten und hinter dem Rücken der Bürger durchzuboxen. So geschehen auch in unserem Dorf.

Von 25 in Schleswig-Holstein durchgeführten Bürgerentscheiden in den Jahren 2011 und 2012 haben sich 21 gegen Windkraft entschieden. Diese Tatsache kann Ihnen nicht verborgen geblieben sein, es sei denn man hat Sie auch hier falsch unterrichtet. Allerdings haben Bürgerentscheide nur 2 Jahre Gültigkeit und einige potenzielle Investoren machen bereits bei den zuständigen Landesbehörden ihre Baugesuche geltend.

Der Landesverband Für Mensch und Natur Gegenwind Schleswig-Holstein e.V. (www.gegenwind-sh.de), in dem wir seit 4 Jahren ehrenamtlich tätig sind, engagiert sich seit Jahren gegen den weiteren Menschen-, Natur- und Artenschutz verachtenden Ausbau von Windkraftanlagen in unserem schönen Schleswig-Holstein. Dem Landesverband gehören u.a. über 100 Bürgerinitiativen an.

Im Juni 2013 wurde in Nauen/Brandenburg die Bundesinitiative Vernunftkraft (www.vernunftkraft.de) gegründet, der wir ebenfalls beigetreten sind. Dieser Bundesinitiative haben sich – bisher – auf Anhieb 182 Bürgerinitiativen aus ganz Deutschland angeschlossen sowie zahlreiche Wissenschaftler, darunter drei Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Die Bundesinitiative Vernunftkraft hat in Zusammenarbeit mit dem Landesverband für Mensch und Natur Gegenwind Schleswig-Holstein e.V. gestern einen Offenen Brief an die Minister Torsten Albig und Dr. Robert Habeck verschickt, den wir Ihnen als Anlage zur Kenntnisnahme beifügen.

Sehr geehrter Herr Minister Altmeier, wir bewundern Ihr Engagement zu diesem Thema und es ist auch klar zu erkennen, dass Sie bemüht sind, auf die „Strompreisbremse“ zu treten, aber, das allein genügt nicht. Solange es keine vernünftigen Speichermöglichkeiten gibt, und das wird, wenn überhaupt, noch mehr als 10-15 Jahre dauern, ist ein weiterer Ausbau von Windkraftanlagen in diesem Land ökologischer und ökonomischer Unsinn.

 

Mit freundlichen Grüßen

Petra und UweTiemann

Anlage: Offener Brief an Torsten Albig und Dr. Robert Habeck