Zu dem von der Landesregierung vorgestellten Entwurf der harten und weichen Kriterien zur Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraft nimmt der Landesverband Für Mensch und Natur – Gegenwind Schleswig – Holstein e. V. wie folgt Stellung:

Das von Ministerpräsident Torsten Albig proklamierte Ziel, bis 2025 10,5 GW installierte Leistung aus Windkraft zu erreichen, wird in seiner Ausführung in noch größerem Umfang als bisher die einzigartige Natur- und Kulturlandschaft Schleswig-Holsteins zerstören.

Die niedrigen schleswig-holsteinischen Geländestrukturen (bis zu maximal 167,4 m ü. NHN) werden bei Umsetzung der Ziele der Landesregierung durch die technische Einrichtung Windkraft überprägt.

 Schleswig-Holstein hat mit 1,7 % der Landesfläche der Windkraft ausreichend Raum zur Verfügung gestellt. Die Errichtung weiterer Windkraftanlagen (WKA) ist aus ökologischer und  landschaftsplanerischer/städtebaulicher Sicht nicht zu vertreten und auch von Seiten der Bundesregierung nicht gefordert. Bis heute wurden in Schleswig-Holstein 3003 Anlagen mit 5863,7 MW Leistung installiert. Das sind bereits 100 % des Eigenbedarfes. Jede weitere Anlage arbeitet für den Export. Unsere Regierung wurde nicht beauftragt, für den Export zu produzieren.

WKA sind nicht in der Lage, die Stromversorgung grundlastfähig zu sichern, daher hängt eine Energiewende in keiner Weise von der Errichtung weiterer Windindustrieanlagen ab. WKA emittieren in gesundheitsgefährdender Weise tieffrequenten Schall und Infraschall. Die bisher angewandten Messmethoden sind nicht geeignet, um diesen qualitativ und quantitativ zu erfassen. Die Höhenentwicklung der Windkraftanlagen (Steigerung von 100 m Höhe 1995 auf 200 m Höhe 2015) korrespondiert nicht mit einer Verdoppelung der Mindestabstände zur Wohnbebauung.

Die Abstände von WKA zur Wohnbebauung sind mit 400 oder 800 m viel zu gering, um eineGesundheitsgefährdung der Anwohner auszuschließen.

Ein Moratorium im Windkraftausbau bis zum Vorliegen des Nachweises der gesundheitlichen Unbedenklichkeit ist aus unserer Sicht unumgänglich.

In Kenntnis der Restriktionen, denen die Landesregierung bezüglich der Berücksichtigung unserer Forderung unterliegt oder zu unterliegen glaubt, weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass primär der Schutz der Gesundheit der Menschen in diesem Land in ihrer Verantwortung liegt und absolute Priorität vor wirtschaftlichen Interessen haben muss.

Um Schaden von den Menschen in der Nachbarschaft von Windindustriegebieten abzuwenden, ist deshalb unsere Minimalforderung für die Ausweisung von Vorranggebieten sowie für Ausnahmeregelungen und Repowering einen Sicherheitsprüfabstand von jeglicher Wohnbebauung von dem 10-fachen der Anlagengesamthöhe (10H).

Im Immissionsrecht ist die TA-Lärm dem aktuellen Wissensstand anzupassen. Wir erwarten von Schleswig-Holstein eine Initiative im Bund.

Dr. Susanne Kirchhof, 1. Vorsitzende