Leserbrief zu „Störungen im Horizontbild“, Sylter Spiegel vom 29.10.2014, S. 1

Es geht nicht um „Störungen“, wie der Betreiber von „Butendiek“ grotesk seine Windkraftwerke verniedlicht, die im Naturschutzgebiet vor Sylt eingerammt werden.

Es geht um Zerstören, wie wir es zu Anfang der unseligen Planungen bereits beschrieben haben. Es geht um den Menschen. Um seinen freien Blick. Um seine Möglichkeit, am Strand seinen Gedanken bis zum Horizont nachhängen zu können. Um die Gedankenfreiheit, die uns immer noch hinter dem Platz der untergehenden Sonne Geheimnisvolles vermuten lässt, wenn wir am Strand sitzen und träumen, trotz aller Aufklärung. Um den Christenmenschen, der nicht eingeengt wird in seiner Kontaktaufnahme zu Gott und zu der unendlichen Weite des Horizonts. Es geht um die Philosophie des Moments, die zukünftig zerhackt wird durch das brutale Schreddern des Sonnenlichts. Geschäftemacherei müßte eigentlich ihre Grenze haben. Ihre Grenze vor dem Erhabenen des, im wahrsten Sinne des Wortes, Augenblicks.

Es geht um das jahrzehntelange Zerstören der Schweinswale, das massenhafte Töten der Vögel, das brutale Malträtieren der Bewohner des Meeresbodens.

Der Zweite Vorsitzende des Vereins, Architekt Stefan Riedel, hat die kolossale Umweltverschmutzung des Horizonts in einer Grafik aufgearbeitet.

Und was die „Versorgung“ durch Butendiek angeht: „Windkraftwerke versorgen Haushalte“ hört sich niedlich an. Und weckt Assoziationen zur Mutter, die ihr Baby an der Brust nährt, in Windeln wickelt, im Idealfall erzieht zu einem sozialen Wesen, das Acht gibt auf seine Mitmenschen und die Natur. Die Mutter versorgt es. Tag und Nacht. Rund-um-die-Uhr-„Versorgung“. Bei Windkraftwerken ist das anders. Sie arbeiten sehr unzuverlässig, nämlich nur dann, wenn es ihnen paßt, lediglich an 1.785 Stunden von 8.760 Stunden im Jahr an Land und zwischen 3.500 h und 4.000 h offshore. Sie liefern an Nahrung -unzuverlässig- lediglich 6,3% der benötigten Menge. Und die auch nur vollkommen konfus, siehe angefügte Grafiken! Wenn Mütter wie Windkraftwerke„versorgen“ würden, käme kein Baby über die erste Lebenswoche hinaus! Ja, bei Windkraftwerken läuft die„Versorgung“ genau anders herum. Gäbe man dem angeblichen Versorger Wind-Kraftwerk keine Nahrung -sprich Strom aus konventionellen Kraftwerken-, würde es nicht einmal anspringen, nicht einmal mit der total unzuverlässigen Arbeit anfangen. Und würde der angeblich Versorgte, der Haushalt, nicht zwangsweise über zwanzig Milliarden Euro Jahr für Jahr an die vorgeblich erneuerbaren Mütter zahlen, hätten die sich längst aus dem Staub gemacht. So ist es also: „Rechnerisch“ versorgen Windkraftwerke nicht die Haushalte und die Menschen. Es ist eben genau anders herum!

Daß ein Windkraftwerk-Profiteur, der in Bremen sitzt, vor dem Hintergrund seines durch das EEG prall gefüllten „Erneuerbaren Kontos“ dies alles als ein wenig „störend“ empfindet, ist verständlich, aber ein Trauerspiel.

Und die Gefahr ist nicht gebannt: Schon fordern viele Windkraftwerkbetreiber und Politiker, die Kraftwerke ganz nahe an die Küste zu bauen, das sei eben sehr viel billiger! Und wirft, das wird verschwiegen, noch mehr Profit ab! Allerdings nicht für Natur und Umwelt. Und erst recht nicht für Sylt!

Mit freundlichen Grüßen, Dr. Zielinski

Dr. Hans-Joachim Zielinski
1. Vorsitzender „Gegenwind – für eine industriefreie Nordsee e.V.“
Graf-Spee-Str. 10
25980 Sylt / OT Westerland
04651 23885