1. Einführung

Mittlerweile wird überall in Europa, wenn es in den unterschiedlichen Regionen um die Errichtung von Windindustriegebieten geht, die vielerorts große Sorge um den Tourismus, also die Sorge darüber, dass Urlauber sich an übergroßen und lauten Windkraftanlagen (WKA) stören könnten, mit einer Studie aus Schleswig-Holstein regelrecht niedergeschmettert.

In den Medien suggerieren Vertreter der Windkraftindustrie und Politiker, dass kein Urlauber sich an WKA stören würde und von daher die Angst um zurückgehenden Tourismus völlig unbegründet sei.

Man behauptet also europaweit, in dem deutschen Bundesland, welches wie kein anderes den Ausbau der Windkraft vorantreibt, würde eine Studie belegen, dass Windkraftanlagen nur von einer Minderheit der Urlauber als störend empfunden werden.

Man beruft sich auf die sogenannte NIT-Studie (2014).
Die Studie des „Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa GmbH“ will auf 63 Seiten die Einstellung potentieller Urlauber im nördlichsten Bundesland zu WKA dokumentieren. Die Studie ist von der Stichprobengröße, der Gruppendiversifizierung und anderen möglichen Kriterien zu Urlaubspräferenzen sehr exakt angelegt. Das Fazit des Papiers, beauftragt vom Bauernverband S-H, dem Bundesverband Windenergie, der IHK Flensburg, Tennet TSO (Netzbetreiber), der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland, kommt zu dem nicht überraschenden Ergebnis, dass die Vielzahl von Riesen-WKA im Lande dem Tourismus praktisch keinerlei Abbruch tun wird.

Sogar der Tourismusverband S-H schließt sich dem Votum an.

Offenbar hat aber keiner der Auftraggeber oder der Rezipienten den einen wichtigen Satz am Ende des ersten Drittels der Studie gelesen oder gar hinterfragt. Auf Seite 24 der Studie steht wörtlich:
„Diese Akzeptanz hat aber ihre Grenzen: EE-Bauwerke (Anm.: also WKA) direkt am Strand oder in unmittelbarer Nähe der Unterkunft würden im Allgemeinen nicht akzeptiert. Allerdings hat keiner der Probanden diese konkrete Erfahrung gemacht.“

Man hat also praktisch die Teilnehmer der Studie in komfortabler Entfernung von der Lärm- und Lichtwechselbelastung großer WKA befragt und die freundlichen Antworten der Menschen in Straßencafés und an Stränden aufgelistet, weit entfernt von den Belastungen durch WKA.

Desweiteren konstatiert die Studie, dass es sich um die Betrachtung größerer Regionen handelt und dass es „im konkreten Fall also beim einzelnen Ort oder im Betrieb zu relevanten Störungen des Urlaubserlebnisses kommen kann – immer dann, wenn dem Urlauber die Infrastruktur zu nahe rückt oder sich Monotonie im Landschaftsbild einstellt.“ Darüber wird allerdings in keiner Talkshow und in keinem Artikel berichtet.

Bereits während der Vorstellung der NIT-Studie in Husum wurden von Vertretern des DEHOGA sowie von einzelnen Vermietern kritische Fragen gestellt. Fazit: Die Studie ist nicht geeignet, den Nachweis für einen nicht vorhanden Konflikt zwischen Windkraftausbau und Tourismus zu erbringen. Mit folgender Umfrage auf der Halbinsel Schwansen, einer beliebten Ferienregion, die 20 % ihres Volkseinkommens durch den Tourismus erwirtschaftet, soll nun ein Versuch unternommen werden, die Sorgen der Tourismusbranche auf ihre Substanz zu überprüfen.

Große Flächen Schwansens befinden sich im jüngsten Naturpark Deutschlands, dem Naturpark Schlei. Zum Zeitpunkt der Umfrage stand in Schwansen noch keine WKA

2. Vorgehensweise

Drei Vermieter von Ferienunterkünften auf der Halbinsel Schwansen haben von April bis Oktober 2015 eine Umfrage bei ihren Gästen durchgeführt. Die befragten Urlauber waren zwischen 19 und 87 Jahre alt. Die Urlauber kamen aus Bayern, NRW, Hessen, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, Baden Württemberg, Thüringen sowie aus Schleswig-Holstein. Frauen und Männer wurden in etwa zu gleichen Teilen befragt. 3 Vermieter befragten ihre Gäste in Holzdorf (24), Norby (32) und Sönderby (44). Es wurden insgesamt 100 Urlauber befragt.

Die Befragten bekamen folgende Vorabinformation:
Auf der Ferienhalbinsel Schwansen sind 15 Großwindanlagen bis zu 235 m über NN Gesamthöhe geplant. Der Abstand zur Wohnbebauung beträgt teilweise nur etwas über 400 m. Die Planer selbst haben die drei geplanten Industrieparks als „schweren Eingriff in das Landschaftsbild“ bezeichnet.

Frage 1: Sollten die Bauvorhaben umgesetzt werden, würden Sie sich daran stören?
Mögliche Antworten:
(a) Wenn wir aus der Atomenergie raus wollen, müssen Opfer gebracht werden, ich würde mich nicht daran stören.
(b) Die Größe dieser Anlagen sowie von ihnen ausgehende Belästigung (Lärm, Schattenwurf etc.) sind für mich nicht vorstellbar, ich weiß nicht ob sie mich stören würden.
(c) Wenn die Windräder das Landschaftsbild wie beschrieben zerstören, störe ich mich massiv daran, da ich u.a. wegen dieses Landschaftsbildes hier Urlaub mache.
(d) Ich habe hierzu gar keine Meinung.

Frage 2: Wenn sich in der Nähe Ihrer Ferienunterkunft ein Windpark mit Windrädern zwischen 150 und 200m Höhe befinden würde, wäre dies ein Ausschlusskriterium, diese Unterkunft nicht wieder zu buchen?
Mögliche Antworten:
(a) Nein, für mich wäre dies als Beitrag zur Energiewende in Ordnung.
(b) Ja, ich würde mir im nächsten Jahr eine andere Unterkunft suchen.
(c) Ja, ich würde mir im nächsten Jahr eine andere Unterkunft suchen, sollte der Windpark vorab nicht erwähnt worden sein, würde ich abreisen und mein Geld zurück fordern.
(d) Ich kann die Frage aufgrund fehlender Erfahrung nicht beantworten.

Frage 3: Sollten die Industrieparks so wie geplant umgesetzt werden, wäre dies für Sie ein Grund, Ihren Urlaub nicht wieder auf der Halbinsel Schwansen zu verbringen?
Mögliche Antworten:
(a) Nein, ich komme definitiv wieder, Windräder würden mich nicht stören.
(b) Ich würde mir das zunächst anschauen und dann entscheiden.
(c) Industrieanlagen sind in einem Naturpark fehl am Platze, ich würde mir eine andere Urlaubsregion aussuchen.
(d) Ich bin mir unschlüssig und kann diese Frage nicht eindeutig beantworten.

Bei der Befragung wurde Wert darauf gelegt, dass den Befragten das Ausmaß der Anlagen deutlich gemacht wurde.

3. Ergebnisse

zu Frage 1: Sollten die Bauvorhaben umgesetzt werden, würden Sie sich daran stören?

zu Frage 1: Sollten die Bauvorhaben umgesetzt werden, würden Sie sich daran stören?

 Ausschlusskriterium wieder zu buchen wenn WKA in der Nähe

zu Frage 2: Wenn sich in der Nähe Ihrer Ferienunterkunft ein Windpark mit Windrädern zwischen 150 und 200m Höhe befinden würde, wäre dies ein, diese Unterkunft nicht wieder zu buchen?

Einfluss auf touristische Regionen

zu Frage 3: Sollten die Industrieparks so wie geplant umgesetzt werden, wäre dies für Sie ein Grund, Ihren Urlaub nicht wieder auf der Halbinsel Schwansen zu verbringen?

Über die Hälfte der Befragten stört sich an den geplanten Windkraftanlagen auf der Halbinsel Schwansen und würde bei Umsetzung der Bauvorhaben eine andere Ferienregion wählen. Die Zahl derer, die sich im Folgejahr eine andere Unterkunft wählen würden, sollte sich in der Nähe ihrer Ferienwohnung oder ihres Gästezimmers ein Windpark befinden, lag mit 64 % noch deutlich höher.
Grundsätzlich befürworteten lediglich 29 % der befragten Personen zwischen 19 und 87 Jahren Windkraftanlagen auf Schwansen als „Opfer“ für den Atomausstieg, allerdings wären lediglich 15 % damit einverstanden, wenn die Windkraftanlagen in der Nähe ihrer Ferienunterkunft stünden.
17 % der befragten Gäste würden sogar abreisen und ihr Geld zurück verlangen, wenn sich in der Nähe ihrer Unterkunft eine Windkraftanlage befinden würde und diese vorab etwa in einem Hausprospekt oder einer Internetpräsenz nicht erwähnt wurde.

4. Schlussfolgerung

Es wurde deutlich, dass das in weiten Teilen unzerschnittene Landschaftsbild der Halbinsel Schwansen ein wesentliches Kriterium dafür ist, weshalb Urlauber sich für diese Region entscheiden. Laut Landes-Tourismusverband ist der Tourismus ein Job-Motor für Schleswig-Holstein – besonders in den strukturschwachen Gegenden – und mehr als 146.000 Menschen im Land bestreiten ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise vom Tourismus.
Die Entscheidungsträger in der Landesregierung dürfen nicht vertuschen, dass der forcierte Windkraftausbau sich auch auf den Tourismus in der ländlichen Region auswirken wird. Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache und es darf erwartet werden, dass sich die Kommunal- und Landespolitik intensiv mit dieser Thematik auseinandersetzt.

Die unten stehenden Personen versichern Ihnen die ordnungsgemäße Befragung sowie die Korrektheit des Ergebnisses:
Ina Rambke (Dat Lütte Landhus, 24364 Holzdorf)
Heinz Brochonski (Haus Schleiperle, 24354 Norby)
Frank Dreves (Landidyll Sönderby, 24354 Sönderby)
Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an Frank Dreves (Tel. 04355 – 999 890) oder info@schlei.de

Quellen:
Einflussanalyse Erneuerbare Energien und Tourismus in Schleswig-Holstein (2014), NIT (New Insides For Tourism) Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa GmbH