fischzeitungSehr geehrte Damen und Herren,

Sie etikettieren in Ihrer heutigen Wochenendausgabe der LN 2015 u.a. als „wunderbares Jahr“ und zitieren eine junge Syrerin. Vielen Deutschen falle die Antwort auf die Jahresbilanz wohl schwer. Auf Seite 2 des Journals stellen Sie den „Terror“ in den Vordergrund, die Seite 3 schildert die bundesdeutschen Herausforderungen. Die Seiten 4 und 5 sind von Gefühlen zum Tode von Helmut Schmidt und zu Günter Grass oder zu Til Schweigers Flüchtlingshilfe bestimmt.

Als Leser Ihrer Regionalzeitung nehme ich wahr, dass auch in diesem Journal überregionale Themen bestimmend sind. Das ist auch der Grund dafür, warum ich mich frage, warum ich Ihre Zeitung weiter kaufen oder gar abonnieren soll?

Wenn es in Ihrer Zeitung einmal um Regionales geht, vermisse ich, dass Sie nah am Leser sind.

Als Beispiel möchte ich Ihre Berichterstattung zur Durchsetzung von 6000 bis zu 200-Meter-Windkraftanlagen durch die Landesregierung, durch die Betreiber und durch die Landeigentümer nennen. Statt ausgewogener Berichterstattung, die nah am Leser ist, üben Sie sich in Klientelbedienung. Die Lübecker Nachrichten sind besonders gut darin, die Windkraftbranche zu hofieren.

Im September 2015 berichteten die Lübecker Nachrichten unter dem Titel „Aufwind auf dem
flachen Land“ über die Onshore-Windenergie in Schleswig-Holstein. „Schleswig-Holstein
holt bei der Windenergie im bundesweiten Vergleich immer weiter auf“, so die Unterzeile.
Doch leider hätten „die Unternehmen haben ein Problem, ihr Geschäft den Bürgern zu
vermitteln“, sorgte sich der Autor. Der Artikel stieg ein mit Zahlen des Lobbyverbands
Bundesverband WindEnergie (BWE). Der Artikel liest sich wie eine Werbung für
Windenergie: Die regionale Wirtschaft könne „erheblich von dieser Technologie profitieren“.
Der Präsident des BWE wird zitiert: „Gerade strukturschwache und ländliche Regionen
profitieren davon.“ Der Lobbyist sagt, durch Windkraft lockten Arbeitsplätze,
Pachteinnahmen für Landeigentümer sowie Gewerbesteuereinnahmen.

Wir Windkraftskeptiker werden gern einmal pauschal als Wutbürger bezeichnet ohne uns zu Wort kommen zu lassen, während Lobbyisten, Investoren und Landeigentümer in Ihrer Zeitung bevorzugt zu Wort kommen. Ihre Mitarbeiterin Petra Dreu titelt im Oktober 2015: „Große Anlagen der Denker & Wulf AG in Damsdorf, Schmalensee und Hutzfeld geraten in Gefahr, weil sich die Flugsicherung DFS für ein Gelände in Hornsdorf interessiert.“
Für uns Bürger sind die Planungen der Denker & Wulf AG eine Bedrohung und ihre mögliche Verhinderung eine Hoffnung. Der Bürgerwille, nämlich die Höhenbegrenzung der Anlagen auf 100 Meter lt. Bürgerentscheid von 2014 in Schmalensee, wird vom Investor vollkommen ignoriert.

Ihre Zeitung muss dem Bürger nahe sein oder sie gerät in wirtschaftliche Gefahren. Ein achtsamer Umgang mit unserer holsteinischen Landschaft erhöht die Akzeptanz Ihrer Zeitung. Wenn Sie sich dagegen als Sprachrohr überregionaler Lobbygruppen versstehen, wird die Leserzahl der LN weiter abnehmen.

Meine Jahresbilanz 2015 bezieht sich mehr auf unser schönes Ostholstein, in dem auch in diesem Jahr wieder die glücklichsten Menschen Europas leben, wovon in Ihrer heutigen Ausgabe nicht die Rede ist. Wir lieben unsere Landschaft (nicht als ökonomische Ressource), unseren Alltag und unsere Nachbarn in unserer Region. Bedrohliches, das wir meistern müssen, kommt nur vor außen. Und das schaffen wir auch!

Wenn Sie eine Jahresbilanz in der Region ziehen und auf den Rückspiegel-Eintopf, der überall nachzulesen ist, verzichten, werden Sie deutlich mehr Leser bekommen, mich als neuen Abonnenten eingeschlossen.

Mit freundlichem Gruß

Jürgen Bucksch

 

Dazu auch:

http://meedia.de/2015/12/18/aufwind-fuer-die-region-wie-die-luebecker-nachrichten-die-windkraft-lobby-hofieren/?fbc=fb-shares

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/ein_windrad_namens_klaus_baerbel