Massive Kritik an CDU Husumer Nachrichten (shz) vom 22.4.2016 Es wird sicher Gründe geben, warum eine Presseerklärung des BWE quasi unreflektiert als redaktioneller Beitrag der HN erscheint. Leider wird so weder einer Diskussion zur qualifizierten Weiterentwicklung der Energiewende, noch der notwendige Neujustierung der Schutzbedürfnisse der Bürger in angemessener Weise Rechnung getragen. Der BWE vertritt die wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder und ist im Zuge dieser Kernaufgabe als objektive Informationsquelle ungeeignet. Der BWE macht eben das, was alle Lobbyorganisationen machen: Risiken und Nachteile ignorieren oder leugnen; tatsächliche und vermeintliche Vorteile überzogen und oft unrealistisch darstellen und dazu den Focus von den eigentlichen, eigenen wirtschaftlichen Begehrlichkeiten ablenken. Daher wäre die Politik generell gut beraten, sich weniger von Lobbyinteressen beeinflussen zu lassen, da deren Interessen sich eben nicht automatisch mit den Interessen der Bürger und einer vorteilhaften Entwicklung des Landes decken.

Das war schon beim Aufbau der Kernenergie ähnlich – die Folgen dürften mittlerweile bekannt sein, aber bez. Risiken und Nebenwirkungen der Windenergie werden diese nach dem gleichen, altem Muster ebenso ausgeblendet (z.B. Infraschall, Versorgungssicherheit, Landschaftszerstörung ) wie bei der Kernenergie. Und die Herangehensweise bez. fehlender Stromspeicher wiederholt geradezu klassisch die undurchdacht-aktionistische Absurdität immer noch fehlender Endlagerstätten. Es gibt in beiden Fällen zwar eine Reihe, meist untauglicher, Vorschläge, aber keine real existente Problemlösung. Welcher Mensch (mit relativ normalem Geisteszustand und

Verstand) würde sich für einen Sprung aus einem Flugzeug begeistern, wenn ein Fallschirm lediglich erst als unerprobte, vage Idee existieren würde?

Wegen fehlender Speicher fällt auch die CO2 Bilanz der windigen Energiewende recht deprimierend aus, da für jedes installierte MW Windstrom entsprechende konventionelle Kraftwerkskapazität vorgehalten werden müssen – derzeit sind das leider zumeist Braunkohlekraftwerke.

Und bei einer tatsächlichen Stromerzeugung im Jahresmittel von unter 20 % der installierten Leistung (onshore) hat dies eben zur Folge, dass in Schwachwind und -Flautezeiten u.U. mehr CO2 in die Atmosphäre abgegeben wird als vor der Energiewende. Mit zunehmendem, undurchdachten WKA-Ausbau dürfte sich diese Problematik verschlimmern (und/oder die Abhängigkeit von ausländischen AKW wachsen).

Fehlende Speicher und Leitungen werden zudem bei fortgesetztem Ausbau der WKA den Anteil des abzuregelnden und dennoch zu bezahlenden Windstroms weiter ansteigen lassen, da es für weitere Mengen fluktuierender Elektroenergie zwar einige Nutzungsideen gibt, die Realisierung solcher Ideen aber viele Jahre dauern dürfte (außer bei „Power to Heat“, der thermischen Nutzung von Windstrom zur Gebäudeheizung, die in S-H sehr schnell verfügbar gemacht werden könnte). So lange es keine tatsächliche und ausreichende Nutzung von Windstrom-Überkapazitäten gibt, werden die Kosten für Abschaltungsvergütungen, die von den Stromkunden aufzubringen sind, von heutzutage 200 bis 300 Millionen Euro im Jahr immer weiter ansteigen.

Windstrom droht derzeit, bei allem Potential zur kostengünstigen Erzeugung von Elektroenergie und CO2 Einsparung (immerhin haben Windmüller keinerlei Energiekosten und Wind wird ja auch als Energieträger nicht besteuert) durch die undurchdachte Energiewende zu einer Volkswirtschaftlichen Kamikaze-Aktion zu werden, deren weiterer Ausbau hauptsächlich den Profiten der Investoren dient, dabei die Energiewende künstlich verteuert und ineffizient macht. Dadurch werden Geldmittel verschwendet, die dringend gebraucht würden, um nachhaltig eine effiziente Balance zwischen Energieangebot und Energiebedarf herzustellen. Die Hardliner vom BWE sind eben nicht die Förderer der Energiewende, CO2 Sparer und Klimaretter, sondern zunehmend nur noch Abzocker bez. der Energiekosten in unserem Land.

Wenn diese zudem erwarten, das zur eigenen Gewinnmaximierung Häuslebauer auf dem Lande weiterhin hinsichtlich der Immobilienwerte und Lebensqualität quasi kalt enteignet werden, dann ist das nicht nur verlogen und schäbig, sondern ein Skandal.

Mit Windenergie haben viele Leute ausgezeichnet verdient und verdienen immer noch sehr gut. Es gibt nunmehr allerdings keinen vernünftigen Grund, eine faktisch bestehende „Lizenz zum Gelddrucken“ auch noch unbegrenzt zu erweitern. Statt nach den immer gleichem Schema in immer neue WKA investieren zu wollen, wird es höchste Zeit, in die dringend notwendigen Folgetechnologieen, wie Energiespeicherung, Energieeffizienz, Nutzungskonzepte für fluktuierende Energieformen usw. zu investieren und dort unverlagerbare Arbeitsplätze zu schaffen. Denn bei der Energiewende und der Notwendigkeit, den CO2 Ausstoß zu minimieren geht es um viel mehr, als die Gewinnmaximierung einiger weniger Investoren.

Das Thema ist zu wichtig, um die erforderliche Diskussion dazu weiterhin mit den lediglich gebetsmühlenhaft wiederholten Scheinargumenten des BWE zu führen, denen leider auch das Gespann Albig / Habeck bislang weitestgehend unreflektiert folgt. Bereits die einfache Überlegung, wohin denn die selbstsüchtigen Wünsche des BWE die Energiekosten, andere Wirtschaftbereiche (Tourismus), die Akzeptanz der erneuerbaren Energien, die Kosten und die Sicherheit der Energieversorgung, die Energiewende und das ganze Land bringen würden, macht deutlich, dass es nun endlich sachlich fundierte Überlegungen braucht, um Schaden vom Land abzuwenden.

Nachtrag

In dem Gezeter der BWE-Statthalterin steckt übrigens auch ein erheblicher Mangel an Demokratieverständnis. Fr. Knudsen beschwert sich darüber, dass die CDU Sorgen und Bedenken der Anwohner erkannt hat und nun im Sinne eines demokratischen Interessenausgleichs Vorschläge macht, wie Ungerechtigkeiten abgestellt oder abgemildert werden könnten. So eine Vorangehensweise ist in einer Demokratie eigentlich üblich und liegt in deren Wesen. Wahlen sind übrigens genau dazu da, dass die Bürger entscheiden, welche Partei denn wohl – auch durch fairen Interessenausgleich – am besten geeignet sein könnte, die Geschicke des Landes maßgeblich zu bestimmen.

Es wird Fr. Knudsen / und dem BWE vielleicht auch nicht gegenwärtig sein, aber zum Fortschritt gehört es auch, Entwicklungen und neue Erkenntnisse zu berücksichtigen und in eigene Überlegungen zu integrieren. Das hat etwas mit Lernfähigkeit zu tun. Worüber Fr. Knudsen sich also eigentlich beschwert ist, dass man in der CDU anscheinend nicht nur Kaffe trinken kann, sich die CDU auch um die Angelegenheiten der Bürger Gedanken macht, konstruktive Vorschläge entwickelt und sich somit diesbezüglich als lernfähig erwiesen hat. Genau das aber sollte das Geschäftsmodell einer Volkspartei sein (ich hätte nie gedacht, einmal so viel Lob über der CDU auszuschütten – aber es ist eben nichts mehr statisch und „wie früher“ in der Politik. Die Grünen werden schwarz, die Schwarzen werden grün, die Roten werden… (…man weiß es nicht) und der Rest ist irgendwie hübsch oder häßlich bunt). Womit hat Fr. Knudsen / der BWE also ein Problem?

Uwe Krüger

Uelvesbüll