Wichtiger Termin
Anhörung vor dem Petitionsausschuss
am 1.11.2016, 10 Uhr in Kiel

Protokoll 18-074_11-16-1

Wir fordern den Landtag und die Landesregierung auf, im Vorfeld der Ausweisung von Vorrangflächen für den Ausbau von Windkraftanlagen, eine Debatte über die noch nicht absehbaren, gesundheitlichen Folgeschäden durch Infraschall zu führen.

 

Die Landesregierung ist gemäß Ihrem Eid und Artikel 2 des Grundgesetzes verpflichtet, Schaden von der Bevölkerung abzuwenden und gewissenhaft zu handeln.

 

Deshalb fordern wir die Landesregierung auf, gemäß dieser Vorsorgepflicht bei der Ausweisung der Vorrangflächen für den Ausbau von Windkraftanlagen einen Abstand von der zehnfachen Gesamthöhe der WKA (10 H) als hartes Ausschlusskriterium auszuweisen.

Begründung:

1. Die derzeit geltenden Richtlinien der TA Lärm des Bundesimmissionsschutzgesetzes zur Messung und Bewertung von industrieller Lärmimmission treffen für Windkraftanlagen der neuen Generation nicht zu. Die Prognosegleichung der Lärmimmission gilt für Bauwerke bis 30 m Höhe und für punktförmige Schallquellen. Dieses trifft für WKA mit bis zu 200 m Gesamthöhe und Rotorendurchmessern von

120 m nicht zu. Der hörbare Lärm am Immissionsort wird regelmäßig unterschätzt.

 2. Die Folgen einer Dauerexposition mit Infraschall sind nicht ausreichend erforscht. Zu diesem Schluss kommt auch die Studie des Umwelt-Bundesamtes von 2014. WKA emittieren Infraschall, der sich bei mehreren gleichzeitig betriebenen Anlagen noch potenziert. Infraschall kann nicht durch herkömmliche Mauern etc. gedämmt werden, sondern dringt ungehindert in die Häuser und verursacht in ungünstigem Falle Resonanzen.

Folgen einer Dauerexposition mit Infraschall sind:

Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit, Leistungseinbußen, Konzentrationsstörungen, Lernschwierigkeiten bei Kindern, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Tinnitus, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Funktionsstörungen am Herzen, Bluthochdruck, Übelkeit, Magen-Darm-Störungen, Reizbarkeit, innere Unruhe, Panikattacken, Depression Im Schlüsselkatalog der Internationalen Klassifikation der Krankheiten und Gesundheitsprobleme (ICD-10-GM-2014) wird Schwindel durch Infraschall unter der Nummer T75.2 gelistet.

Messungen von Infraschall im Umfeld von WKA sind nach TA Lärm nicht vorgesehen.

In der „Machbarkeitsstudie zu Wirkungen von Infraschall“ des Umweltbundesamtes von 2014 wird festgestellt:

– dass negative Auswirkungen von Infraschall im Frequenzbereich unter 10 Hz auch bei Schalldruckpegeln unterhalb der Hörschwelle nicht ausgeschlossen sind

– dass bei tiefen Frequenzen mit steigender Dauer der Exposition die Empfindlichkeit zunimmt

– dass derzeit für den Infraschallbereich (0,1 – 20 Hz keine allgemeingültige Mess- und Beurteilungsvorschrift existiert

– dass im ganzheitlichen Immissionsschutz auch der Frequenzbereich unter 8 Hz berücksichtigt werden sollte.

– dass es fraglich ist, ob das Abstrahlungs- und Ausbreitungsmodell für kleinere WKA auf moderne, große Anlagen übertragbar ist. Aufgrund theoretischer Betrachtungen von Strömungsakustikern ist nicht davon auszugehen. Zudem kann je nach Ausbreitungsbedingungen der Schalldruckpegel mit zunehmendem Abstand zu- statt abnehmen (Van den Berg, 2006).

Diese Machbarkeitsstudie zu Wirkungen von Infraschall beinhaltet die aktuell umfangreichste Literaturübersicht und sieht unverändert einen dringenden Forschungsbedarf.