Im Kieler Wissenschaftszentum kamen am 22. April rund 120 Menschen aus verschiedenen Landstrichen in Schleswig-Holstein zusammen, um der Veranstaltung des Vereins „Für Mensch und Natur-Gegenwind Schleswig-Holstein e.V.“ beizuwohnen. Sie wurden nicht enttäuscht. Dipl.Ing Rupert Rompel, Diplom Geograph Holger Dietrich und Dr. Susanne Kirchhof trugen mit sehr informativen und schlüssigen Vorträgen zu einem sehr kurzweiligen Samstagnachmittag bei.

Rupert Rompel nahm sich als erster Referent das Zahlenwerk vor, auf dem die energiepolitische Zielsetzung der Landesregierung basiert. Energiewende- und Umweltmister Habecks Äußerung, dass bald eine 7 Meter hohe Spundwand um unser Bundesland errichtet werden müsste, wenn wir den Klimawandel nicht durch neue Windräder stoppen würden, war eine Steilvorlage für ihn. Genüsslich zerpflückte er die Daten des Chefs des MELUR und wies nach, dass der Anteil Deutschlands am weltweiten CO2 Ausstoß nur sehr gering ist, der Schleswig-Holsteins gar nur im Promille-Bereich liegt. Genauso wies er nach, dass die bisherige Stromproduktion der Schleswig-Holsteinischen Atomkraftwerke nicht 40 Terawattstunden (TWh) betrugen, so dass das von der Landesregierung vorgegebene Ziel zur Stromerzeugung durch Windkraft viel zu hoch ist. Die anhand der Zahlen im Vortrag gewonnene Erkenntnis, dass der CO2 Ausstoß Deutschlands sich trotz des Zubaus von Windrädern nicht verringert hat, rundete den guten Vortrag, in dem es viele weitere Aspekte gab, ab.

Holger Dietrich präsentierte in seinem Vortrag ein interessantes Zahlenwerk, das sich nahtlos in Rompels Vortrag einfügte. Einige Fakten seien hier herausgegriffen: Eine Erhöhung der Produktion durch WKA auf See um 1,5 Gigawatt Leistung würde den Flächenbedarf von WKA  an Land auf 1,3 Prozent verringern. Eine sinnvollere Anordnung der Windräder auf den Eignungsflächen, bei der die wetterphysikalischen Vorgaben und nicht die Interessen der Grundeigentümer berücksichtigt würden, trüge zu einer effizienteren Nutzung der Areale und somit ebenfalls zu weniger Flächenbedarf bei. Eine so gut wie immer vernachlässigte Erkenntnis ist die ständige Vergrößerung der Rotorflächen durch immer größere Windkraftanlagen. Mit bis zu 150 Metern Durchmesser stellen sie ein Vielfaches der Generation der ersten Windräder dar und somit auch ein entsprechend höheres Tötungsrisiko für streng geschützte Großvögel und Fledermäuse.

Susanne Kirchhof rief uns die vielen Zitate aus der Landespolitik, allen voran die Ministerpräsident Albigs, ins Gedächtnis. Alle Fakten und Warnungen wurden bisher in den Wind geschlagen. Das liegt nach Ansicht Kirchhofs an einem grundsätzlichen Trend in Deutschland, dass Neuerungen immer zu Beginn „hochgejubelt“ würden und Warnungen vor Risiken nicht beachtet werden. Erst wenn nach längerer Zeit sich Risiken offenbaren, wird ernsthaft nachgeforscht. Als Beispiele unter vielen führte sie Atomenergie und Asbest an. Auch hier seien nur einige weitere Aspekte ihres Vortrag herausgegriffen: Unter dem Oberbegriff „Diskrepanzen“ beklagte sie, dass u.a. das Tötungsrisiko geschützter Vogelarten, dass Schleswig-Holstein ein Korridor für Zugvögel ist und der Schutz unserer Landschaft für die Verantwortlichen im Kieler Landeshaus nicht signifikant sind. In einer Grafik stellte sie dar, wie in einem Zyklus von politischen Vorgaben und staatlicher Förderung Politik und Unternehmertum immer erfolgreicher werden, während der Stellenwert der betroffenen Gemeinden durch Wertverlust, Gesundheitsrisiken, Abwanderung etc. immer weiter sinkt.

Vertreter der Im Landtag vertretenen Parteien folgten den Vorträgen. Patrick Breyer (Piraten), Kirsten Eickhoff-Weber (SPD), Oliver Kumbartzky (FDP), Heiner Rickers (CDU), und Bernd Voß (Bündnis 90/Die Grünen), *), stellten sich den Fragen und Kritiken aus dem Publikum. Naturgemäß hatten die Abgeordnete der SPD und der Abgeordnete der Grünen einen schweren Stand. Sie mussten teilweise unsachliche und personenbezogene Zwischenrufe aus dem Publikum ertragen, ehe Moderator Heiko Stark eingriff, um dieses zu unterbinden. Es entwickelte sich eine muntere Diskussion, in der die allseits bekannten konträren Positionen zur Sprache kamen, die auch in den abschließenden Erklärungen der Politiker verdeutlicht wurden.  Auch den Vertretern der Oppositionsparteien wurde sehr schnell klar, dass die Veranstaltung kein „Heimspiel“ für sie ist.

Susanne Kirchhof beklagte in ihrem Schlusswort, dass alle Vorschläge zum Umdenken und Verbessern der Energiepolitik von der Landespolitik ignoriert werden und somit ungehört in den Fluren des Kieler Landeshauses verhallen. Mit dem Dank an alle Beteiligten für ihr Kommen, die Mitgestaltung und das Interesse beendete sie eine sehr informative Veranstaltung.

Vortrag Dipl. Ing. Rupert Rompel

Daten und Fakten werden hier klar dargestellt. Diese belegen jedoch auch, das man sich von Seiten der Landesregierung nicht wirklich an Fakten hält und sich sein Ausbauziel ideologisch zusammenschustert.

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Vortrag Holger Diedrich Diplom-Geograph, Dipl.-Ing. (FH)

Wie gestalten sich die Windkraftpläne der Landesregierung mit ihren immer wieder betonten 2% der Landesfläche.

In diversen realen Fakten wird die Belastung für Schleswig-Holstein dargestellt. So werden zukünftig fast 70% der Fläche von SH weniger als 5km von WKA entfernt sein!

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Vortrag Dr. Susanne Kirchhof

Der CO2-Ausstoss in Deutschland sinkt nicht – Die Landesregierung um SPD – Grüne – SSW betreibt keine Klimapolitik, sondern alleinig Klientelpolitik.

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