In der Diskussion werden oft unterschiedliche Zahlen benutzt. Nachfolgend drei Szenarien, die durchgerechnet sind.

Szenario 1:

Die Versorgung Schleswig-Holsteins mit 44 TWh/a bis 2030 kann mit einem Flächenverbrauch Onshore von 1,73 % der Landesfläche dargestellt werden.

Szenario 2:

Die Versorgung Schleswig-Holsteins mit 44 TWh/a bis 2030 kann bei maßvoller Erhöhung des Offshore-Anteils auf 4 GW installierter Leistung mit einem Flächenverbrauch Onshore von lediglich 1,3% der Landesfläche dargestellt werden.

Szenario 3:

Die Versorgung Schleswig-Holsteins mit den ursprünglich mit konventioneller Erzeugung erreichten 31,5 TWh/a kann bei maßvoller Erhöhung des Offshore-Anteils auf 4 GW mit einem Flächenverbrauch Onshore von lediglich 0,5 % der Landesfläche dargestellt werden.

Hintergrundinformation:

Ausgehend von der lange Zeit erhobenen Forderung, Schleswig-Holstein müsse „300 % seines Jahresverbrauchs“ bis 2030 aus erneuerbaren Energien decken und benötige dafür 2% der Landesfläche, ergab sich die Frage, ob diese Forderungen einerseits berechtigt und andererseits überhaupt richtig ermittelt wurden.
Eine erste Recherche zur Ermittlung des Jahresverbrauchs des Landes Schleswig-Holstein ergab einen Wert von 13,5 TWh/a, der aber im April 2016 vom Statistikamt Nord auf 16 TWh/a korrigiert werden musste.

Die durchschnittliche Jahreserzeugung aller konventionellen (atomar, fossil) Kraftwerke Schleswig-Holsteins konnte aus Angaben der verschiedenen Kraftwerksbetreiber zu 31,5 TWh/a ermittelt werden. Damit stand fest, dass die über Jahre erhobene Forderung der „300 %“ sowohl sachlich als auch rechnerisch grundsätzlich falsch war. Das MELUR hat diesen Sachverhalt am 14.12.2016 schriftlich eingeräumt. Aus dieser Erkenntnis ergab sich die Notwendigkeit, das z. Zt. von der bisherigen Landesregierung verfolgte Energie-Konzept einer Überprüfung und Nachrechnung zu unterziehen. Dabei wurde ausschließlich auf Datenmaterial aus Veröffentlichungen der Landesregierung (Landtagsdrucksachen) und des MELUR zurückgegriffen. Zusätzlich wurde Zahlenmaterial aus der neuesten Veröffentlichung des Netzentwicklungsplan Strom (NEP 2030) der Bundesnetzagentur vom 2. Mai 2017 verwendet, das insbesondere die oben dargestellten Szenarien 2 und 3 als realistisch einstuft und bestätigt. Weiterhin wird auf einen Bericht des Bundesrechnungshofs vom 21.12.2016 an den Haushaltsausschuss des Bundestags Bezug genommen, in dem grundlegende Fehler in der Konzeption und Durchführung des Projekts „Energiewende“ aufgelistet und konkrete Verbesserungen vorgeschlagen werden.

Die oben aufgezeigten alternativen Szenarien orientieren sich im Wesentlichen an dem „Zielszenario für den Ausbau der Erneuerbaren Energien in der Stromversorgung“ aus der Landtagsdrucksache 18/4389 vom 6.7.2016.

Anmerkung: Bei den vorliegenden Betrachtungen wurde eine Speicherung von Spitzenerträgen, die bisher durch EinsMan-Maßnahmen abgeregelt wurden, nicht berücksichtigt. Eine grobe Abschätzung, diese bisher nutzlos gewordenen Strommengen über Speicherung in Flautenzeiten in das Netz einspeisen zu können, ergibt eine weitere Reduktion der installierten Kapazität um 10 – 20 %. Dies wirkt sich natürlich nochmals mindernd auf die notwendigen Flächen Onshore aus. Aus den vorgenannten Ergebnissen lässt sich daher die berechtigte Frage nach einer Erhöhung von Abständen zur Wohnbebauung unmittelbar und positiv beantworten, ohne dass damit eine Gefährdung der primären Ziele der Energiewende zu befürchten ist.

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